06 Juli 2018

Babys Schlaf





Schlaf bei Babys

Schlaf & Babys. Ich kann ein Lied davon singen. Eines, das sich aus unterschiedlichen Strophen zusammensetzt: Mal laut, mal leise, mal schnell und mal langsam. Der Refrain ist die einzige Konstante. Das Lied beginnt rasch und hetzend, jedoch pendelt es sich im Laufe der Zeit in einen gleichmäßigen Rhythmus ein. Es erzählt von Höhen und Tiefen und ist berührend, auf eine ganz persönliche und besondere Art und Weise. Es ist emotional geladen, ist heiter beschwingt, dann wieder lässt es erschaudern, ist düster und deprimierend, um in einer lockeren und unbefangenen Strophe zu enden.
Jedes Elternteil kann ein Lied anstimmen. Und zwar ein ganz individuelles. Keines ist wie das andere, und Vergleiche lohnen sich nicht. Jedes ist ein Unikat, ein Sammelsurium zusammengesetzt aus persönlichen Momenten, und eines ist ihnen allen gewiss: es ist ein Stück Familiengeschichte, die bewegt und von emotionalen Momenten getragen wird.

Das Thema Schlaf ist ein hochsensibles, das wurde mir rückblickend in den 9 Jahren Mutterschaft bewusst. Kein anderes Thema polarisiert auf derart emotionaler Ebene. Hier scheiden sich viele Geister. Angefangen von unterschiedlichen Meinungen, die die Elternschaft in 2 Lager spalten, mitunter begleitet von einem starren Festhalten und Befürworten an den eigenen als einzig richtig befundenen Glaubenssätzen. Aufgrund ambivalenter Ansichten und Einstellungen werden Konflikte offen, anonymisiert in den unendlichen Weiten des WWW oder auch im privaten Umfeld, mit desaströsen Folgen ausgetragen. Die Folge der Querelen: schlechtes Gewissen und Unzufriedenheit der ZubettbringerInnen auf der einen Seite, und auf der anderen ein Baby, das unzureichend Schlaf findet, was wiederum an unserem Kräftehaushalt zehrt. So vielfältig sich die Schlafgewohnheiten der Babys auch darstellen, so uniform ist der Wunsch der Eltern: das aufreibende Thema „Schlafprobleme“ aus der Welt zu schaffen.

 Im Zuge meiner Auseinandersetzung mit dem Thema Schlaf bei Babys und unzähligen durchwachten, nervenaufreibenden Nächten in den letzten 8 Jahren, zu denen sich hie und da sogar Selbstzweifel gesellten, stellte ich mir die Fragen: „Kann man überhaupt von einem Schlafproblem sprechen? Ist Babys Schlaf tatsächlich so abnormal wie wir ihn darstellen oder die Umwelt uns suggeriert oder ist es bloß ein Bedürfnis von uns, das Baby gerne anders, perfekter und unkomplizierter haben zu wollen?  Liegt es vielleicht sogar an meiner eigenen Einstellung und meiner Sicht der Dinge, dass ich mich von einigen wenigen DurchschläferInnen (ja, die gibt es auch, keine Frage!) beirren lasse, und ich diese außergewöhnliche doch im Schnitt recht selten auftretende Schlafgewohnheit sogar als Maß der Dinge anstrebe?“



Wie alles begann

Zurück zu meinen allerersten Erfahrungen mit dem Thema Schlaf und Babys. Wir schreiben das Jahr 2009. Theoretisch war ich bestens vorbereitet auf all das, was auf uns als Familie zu dritt zukommen würde. Hochmotiviert und mit dem Ziel vor Augen, mich in das Thema zu vertiefen und es von Grund auf zu begreifen, deckte ich mich mit allerhand Literatur ein. Angefangen von Klassikern und Standardwerken kamen mir auch diejenigen unter, die dafür plädierten, es gäbe ein Programm, dessen es sich zu unterziehen lohnte, denn, so der einheitliche Tenor: "jedes Baby ist dazu fähig, schlafen zu lernen".

Erste Zweifel machten sich in mir breit und mein Bauchgefühl riet mir von Anfang an: „halte dich fern von diesen Programmen.“ Denn sie wollten so gar nicht in meine Gedankenwelt, die geprägt war von Familienbett, Stillen und Beziehungsorientiertheit passen. Irgendetwas fühlte sich nicht richtig, nicht natürlich an. Für mich war klar: ich akzeptiere das Schlafverhalten des Babys so, wie es ist. Denn gestillte Babys haben nun mal einen eigenen Rhythmus, und das ist auch gut so, wenn man die entwicklungsmedizinischen Hintergründe genauer unter die Lupe nimmt.
Die Wissenschaft hat es bestätigt: kurzintervalliges Aufwachen ist für die Gehirnentwicklung eines Babys von großer Bedeutung, und es ist und bleibt nun mal die biologische Norm.

 Das Baby, das 2009 das Licht der Welt erblickte, wachte im 45-Minuten Takt auf, um gestillt zu werden. Tagsüber ein Schreibaby, das nie, ja nicht einmal in der Tragehilfe zur Ruhe kam, hielt uns Tag und Nacht auf Trab. Ausgelaugtheit und Erschöpfung waren die Folge. Ein Schatten meiner selbst verspürte ich leider viel zu spät nach vielen Jahren der bedingungslosen Aufopferung den dringenden Bedarf, mein Energiereservoir aufzufüllen. Nur wie? 



Gedankenwechsel ja, Paradigmenwechsel nein


2015. Mein Sohn wurde geboren. Mir wurde aus den Erfahrungen der letzten Jahre, die mir den Ansporn zu einer veränderten Sichtweise gaben, bewusst: Meine Grundsätze bleiben bestehen, aber ich mache vieles ein klein wenig anders.

Mit dem Ziel, meinen Kräftehaushalt  für die anfängliche Stillzeit mit den extrem kurzen nächtlichen Etappen zu schonen, musste ich neue mir bis dato in der Praxis unbekannte Wege beschreiten, und es musste ein Umdenken stattfinden, das für viele als „egoistisch“ abgetan wurde. Ich begann, mir immer wieder tagsüber in den Stillpausen Freiräume zu schaffen, um mich sowohl auf physischer als auch auf psychischer Ebene zu schonen. Nichts zu tun, oder das zu tun, auf das ich in dem Moment Lust hatte, hatte oberste Priorität. Meine Premiere für die Mama-Auszeit! Für die Zeit nur für mich, und zwar, ohne schlechtes Gewissen aufkeimen zu lassen. Begleitet von dem Gedanken: „das, was ich für mich tue, kommt wiederum den Kindern zugute.“  Fühle ich mich wohl, so hat das einen positiven Effekt auf die Kinder. Sie sind entspannter und ausgeglichener. Und so nebenbei profitieren sie von der Vorbildwirkung, die wir in jeder Lebenslage auf unsere Kinder haben. Wir gehen achtsam mit uns und unserer Umwelt um, und wir betreiben Selbstfürsorge.
Raus in die Natur zum Luft schnappen? Oder einfach nur auf dem Sofa mit einer Tasse Tee oder einem guten Buch in der Hand faulenzen? Mich vormittags, wenn das Fräulein in der Schule war, gemeinsam mit dem Baby hinzulegen, um das nächtliche Schlafdefizit auszugleichen, war unbestritten eine meiner wichtigsten Maßnahmen, um dem Teufelskreis Erschöpfung zu entkommen.
Und dabei war es auch ganz essentiell, sich damit abzufinden, dass das eigene Wohlbefinden über perfektionistische Ansprüche siegte. Mich damit zufrieden zu geben, dass ich auch mal „alle 5 gerade sein lasse“, war und ist auch heute noch kein einfaches Unterfangen.


2 Jahre und noch immer kein Durchschlafen in Sicht?


Die nächtlichen kurzen Stillintervalle verlängerten sich mit etwa 1,5 Jahren durch sehr gemächlich eingeführtes nächtliches Reduzieren der Stillmahlzeiten über Wochen hinweg sehr deutlich, bis ich mich letztendlich ganz bewusst für das Abstillen entschied. Zu-Bett-geh- Rituale in einer ruhigen, entspannten Umgebung sollten für einen ebenso entspannten Schlaf sorgen. Doch trotz Regelmäßigkeit und viel Geduld lief es bei weitem nicht immer so, wie wir Eltern es uns vorgestellt hatten.

Lag es etwa an uns? Was konnten wir verbessern, damit der Bube nicht so oft aufwacht und endlich ein paar Stunden durchschläft? Sind es die Zähne oder macht sich etwa ein Infekt breit? Oder ist es wieder einer dieser Wachstumsschübe?

Eine Lösung war schnell zur Hand, und wir kamen zu dem Entschluss: die Zeit ist reif für eine kleine Veränderung.
Das Kinderzimmer wurde in liebevoller Hingabe umdekoriert und mit einem Kinderbett ausgestattet. Daraufhin wechselten sich herausfordernde Phasen mit jenen AHA Momenten ab, die uns Eltern Mut und Hoffnung schenkten, und nach einiger Zeit war sogar ein Rhythmus offensichtlich. Das Einschlafen im eigenen Zimmer, mit spätem Hinüberwandern zu uns ins Elternbett war ab jetzt die Norm. Und siehe da, die Tage, an denen man sogar im Wachzustand des Kindes das Zimmer verlassen konnte, wurden kontinuierlich mehr.





Jedes Kind ist anders


Das Fräulein mit ihren 8 Jahren schläft sprichwörtlich wie ein Stein, und ich wage sogar zu behaupten, sie nennt wohl den erholsamsten Schlaf hier im Hause titantina ihr Eigen. Ja nicht einmal ein auf ihr tobender, aus Leibeskräften schreiender kleiner Bruder kann sie am Weiterschlafen hindern. Wenn sie schläft, dann schläft sie. Pünktlich um 7 oder auch mal eine halbe Stunde später. Sie hat ihren eigenen Rhythmus gefunden. Sie hat uns als allererste gelehrt: jedes Kind hat sein eigenes Schlafbedürfnis.
Ich denke, das Thema „Schlaf“ geht mit viel Veränderung im Laufe der Kindheit einher. Es benötigt klare Strukturen, im Gegenzug jedoch auch Kompromisse, und mit viel Geduld und Empathie von unserer Seite löst sich vieles von selbst.


Es könnte doch alles so einfach sein?


 Jein. Babys Schlaf ist kein einfaches Thema per se. Es gibt unzählige Varianten, um sich dem Thema anzunähern. Was wir als Familie als richtig erachten, muss nicht zwingend für eine andere gelten, denn jedes Kind ist individuell. Die Bedürfnisse der Eltern unterscheiden sich genauso wie das Schlafverhalten der Babys. Eigenes Bett von Anfang an oder doch Familienbett? Stillen oder Fläschchen? 
Schwierig wird es dann, wenn man seine eigenen Vorstellungen als die einzig wahren erachtet und die Einstellung zum Dogma wird, und hier ist ein toleranter und respektvoller Umgang höchstes Gut. 



Meinen Beitrag zum Thema Schlaf seht ihr übrigens auch als Gastbeitrag im Magazin von Benni's Nest. Das Nestchen aus reinem unbehandelten Zirbenholz ist bei uns seit der Geburt des Frühlingskindes im Einsatz. Meinen Artikel zu Benni's Nest könnt ihr hier nachlesen!