31 Juli 2016

Alltagsgeschichten: Urlaub mit Baby - Faaker See



Urlaub. Sommer, Sonne, Sonnenschein. Entspannung pur. Jeder von uns hat so seine Vorstellungen über einen klassischen Urlaub im Kopf. Klar, wir alle wissen, DEN perfekten Urlaub gibt es nicht. Und dennoch, kurz vor dem Urlaub macht sich die allseits bekannte Vorfreude mit stereotypischen imaginären Bildern von endlosem Sonnenschein, unvergesslichen Augenblicken und Momenten breit, denen wir nicht entfliehen können. Aber sind es nicht genau die "Ausreisser", die kleinen Malheure, die den Urlaub im Nachhinein so besonders machen? Urlaub mit Baby. Sommer, Badefreuden, allzu frühes Erwachen (für die Erwachsenenwelt wohlgemerkt), nie enden wollende Abende begleitet von lautstarken Bekundungen von viel zu lange unterdrückter Müdigkeit. Begleiterscheinungen von Reizüberflutung und vielleicht sogar noch ein Schreikonzert kurz bevor die Kellnerin das Abendmahl serviert? Willkommen im Club! Dennoch, die Kehrseite der Medaille zeigt sich als ein kunterbuntes Bild an Fragmenten, ein Mix aus unvergesslichen Momenten, Lachen, Weinen, Herausforderung und Staunen. Im "die Welt-Entdecken"-Modus angekommen, gibt es für ein Baby nichts Schöneres, als die neue Umgebung in sich aufzusaugen, seinem Forscher,-und Entdeckungsdrang nachzugehen, und für uns Erwachsene bedeutet es, bei all diesen Momenten, so herausfordernd und anstrengend sie auch desöfteren sein mögen, in all ihrer Intensivität dabei zu sein.




"Ich will nach Kroatien!" Fräuleins Verlangen, den nächsten Urlaub doch bitte in Meeresnähe zu verbringen, war größer denn je. Vollstes Verständnis für mich als Sonnenanbeterin und leidenschaftliche Genießerin von Meereswogen und salzigem Prickeln auf der Haut. Dennoch stand für uns dieses Jahr fest: Urlaub ja, lange Autofahrt nein. Wie jedes Jahr machten wir uns also drauf und dran, eine Destination für unseren Campingurlaub festzulegen. Im Inland wohlgemerkt. Es sollte in den Süden gehen, dorthin, wo die Chance auf zu hohe Feuchtigkeit gepaart mit Wind und Wetterkapriolen von minimaler Wahrscheinlichkeit ist. Die Qual der Wahl fiel letztendlich auf das südliche Österreich, das sonnendurchflutete, für uns noch weitgehend unbekannte Kärnten. Nach einem Salzkammergut-Urlaub (damals noch in aller Zweisamkeit), auf dem wir erfahren durften, warum dieses 3 Ländereck mit sattestem Grün und üppiger Vegetation seinem Namen alle Ehre machte, war es nach langem wieder einmal an der Zeit, die Schönheit der heimischen Landschaften zu erkunden. Nach eingehender Recherche wurden wir fündig: Camping Anderwald versprach genau das, nach dem wir suchten. Abseits von Trubel und Animation (ein ganz wichtiges Kriterium!) versprach der familiär geführte Campingplatz Schatten und Entspannung inmitten eines bewaldeten Terrains in unmittelbarer Nähe zum Faaker See. Mit dem türkisblauen Wasser des Sees, der als der wärmste des Bundeslandes gilt, perfekte Voraussetzungen also, um einen Urlaub mit Baby dort zu verbringen, liebäugelte ich bereits beim Anblick der Bilder im Netz.




Nach 5 Stunden Autofahrt erreichten wir den Campingplatz, dessen Gelände sich einige hunderte Meter am Ufer des flach abfallenden Sees erstreckt. Familienfreundlichkeit wird hier groß geschrieben, was uns überaus positiv überrascht hat, und sich seitens der Betreiber und des Personals, als auch bei den Besuchern des Campingsplatzes, welche vorrangig aus Familien mit Kindern bestanden, tagtäglich wiederspiegelte. Sympathie zu Kleinkindern anstatt von nörgenlnden, sich in ihrer Ruhe gestört fühlenden Anrainern, nimmt definitiv auch den Druck von uns Eltern, wenn es ums Einschlafen (das sich hier zu meinem Bedauern als äußerst schwierig gestaltete) oder um ungezwungenes Gezapple des Babybuben im Hochstuhl während des Abendessens drehte. Sich im Urlaub derart willkommen zu fühlen und noch dazu einen der schönsten Stellplätze direkt am Ufer des Sees, und das inmitten der Hochsaison zu ergattern, damit haben wir freilich nicht gerechnet! 







Da ich mit Vorliebe Details in meinen Fotografien festhalte, und meine treuen LeserInnen meine Affinität zu Vintage-Relikten kennen, war ich überrascht, wieviele mit Liebe zum Detail gestaltete Dekoobjekte sich auf dem Gelände befinden, die teilweise umfunktioniert wurden: ein alter Leiterwagen mit üppigen Blumen übersät, ein ursprüngliches Plumpsklo aus Holz, das als Galerie für Originalaufnahmen von den Ursprüngen des Campingplatzes fungierte, alte Räder als Blumenständer und vieles mehr.






Meine anfängliche Skepsis in Punkto Babytauglichkeit im Urlaub, vor allem dann, wenn sich das Baby bereits im Krabbelalter befindet, wurde durch den extrem flachen Einstieg in den See, der aus einem natürlichen Kiesstrand besteht, entkräftet. Mit Freude konnten wir beobachten, wie Mini die vielen kleinen Badebuchten mit dem seichten Wasser sehr geschickt, ohne mit den Knien am Boden anzukommen, erforschte. Auch die am Morgen noch nicht belegten Holzplateaus gestalteten sich als perfekte Krabbelarena und neben den vielen kleinen Steinen und Bockerln und anderen jungen Badegästen war jedes mitgebrachte Spielzeug Nebensache.
Für ältere Kinder wird hier ein breites abseits von kommerzieller Animation geboten. Von Radtouren, Canoying über Familien-Klettern, Slacklining, Stand Up Paddling, Laufen,Wald-Survival kommt auch bei längerem Aufenthalt oder Schlechtwetter keine Langeweile auf. 


Die Kinderfreundlichkeit des Restaurants und die ungezwungene Atmosphäre haben uns veranlasst, trotz hibbeligem Baby und fortgeschrittener Tageszeit, mehrmals die Speisekarte zu durchforsten. Neben einer Pizzakarte gibt es hier auch eine große Auswahl an leckeren hausgemachten Speisen. Es benötigt allerdings aufgrund des Andranges eine Vorreservierung am Vormittag. So waren wir mitunter die ersten Gäste, die um 17:30 unseren Tisch mit Tripp Trapp aufsuchten, in dem der kleine Charmeur mit vollstem Elan auf und ab wippte, sodass er die gesamte Belegschaft des Restaurants in (positive) Aufruhr versetzte.
    
Ein weiteres Kriterium, einen Österreichurlaub mit Baby zu planen, ist sicherlich auch in den klimatischen Bedingungen vor Ort zu finden. Affenhitze auch noch in der Nacht? Weit gefehlt! Hier kommt man im Gegensatz zu Mittelmeerländern getrost ohne Klimaanlage aus (auf die wir gerne nicht nur der Umwelt zuliebe verzichten), denn nachts kühlt es deutlich ab, aber wiederum nicht zu stark, dass man mit offener Bustüre eine Gänsehaut bekommen würde. Wenn man mit so einem Frühausteher gesegnet ist wie ich, dann kommt man sogar in den Genuss, das Kondenswasser über dem See in den frühen Morgenstunden hautnah zu erleben. Wie man sieht, alles hat auch seine Vorteile. Es kommt manchmal nur auf die Betrachtungsweise an und die innere Einstellung. Sollte ich das in einem anderen Moment vergessen, werde ich mich gerne daran zurückerinnen :-)
Nichtsdestotrotz kann ich es Herrn W. verdanken, dass ich mich nach dem ersten Aufwachen getrost nochmals "auf's Ohr legen" konnte, während er den Babybuben in der Trage erneut ins Träumeland beförderte, was mitunter auch erst nach ein paar Stunden glückte.





Auch der Uferbereich ist teils mit hohen Bäumen und Sträuchern beschattet, sodass man immer ein freies Plätzchen entweder im Gras, auf Bänken oder direkt am Strand findet, oder wenn man wie wir einen Stellplatz in unmittelbarer Ufernähe sein eigen nennt, von dort aus ins erfrischende Nass springen kann. 




Wir haben die Absage an südlicher gelegene Destinationen in keinster Weise bereut, und sind froh, eine Alternative mit unproblematischer Anreisedauer mit Baby für unsere relativ kurze Verweildauer gefunden zu haben. An dieser Stelle ein Wink zum idyllisch gelegenen Fleckchen am Faaker See und einen herzlichen Dank an Hannes vom Campingplatz Anderwald für die zuvorkommende Betreuung und den wunderschönen Stellplatz!


Habt eine schöne erste Augustwoche! 

Eure Tina

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