24 Mai 2017

Alltagsgeschichten: 20 Monate Kleinkind




Gedanken

Mit dem Zahnen ist es so eine Sache. Wenn sie durchbrechen, wird alles in Aufruhr versetzt. Alle leiden mit. Klar, an erster Stelle natürlich das Kleinkind, das mitten im (höchst unangenehmen und schmerzlichen) Geschehen steckt. Aber auch alle anderen Beteiligten werden in Unruhe versetzt. Aufgrund der Unruhe. Wir sind hier alle sehr empathisch, aber dieser Umstand macht die ganze Sache nicht unbedingt einfacher. Dann gibt es da auch noch die multiplen Reize, denen man auch im Leben einer bekennenden #slowlife Anhängerin wie ich eine bin - wenn ich mich dem Social Media Jargon bediene - ausgesetzt ist, denn auch wir können nicht allen aufregenden negativ besetzten Situationen, mit denen man im Leben eben konfrontiert wird, aus dem Wege gehen. Und das ist auch gut so, denn das ganze Leben ist ein Lernprozess und wir alle entwickeln uns ja weiter. Wir erfahren den Umgang mit streßbehafteten Situationen, und hecken bestenfalls eine Strategie aus, mit diesen Reizen umzugehen.
Ist der Reiz derart intensiv, beschäftigt er uns und lässt uns grübeln, und vielleicht schiebt er dem doch so erwünschten Ruhezustand einen Riegel vor, und lässt uns schlechter in den Schlaf finden. Auch für uns "Großen" ist die Verarbeitung des Tagesgeschehens eine wohlbekannte Sache, und auch wir sind stets auf der Suche danach, eine adäquate Strategie zu finden, wir wir den Umgang mit Stress verbessern können.Das gelingt uns an manchen Tagen besser, an manchen schlechter, je nachdem, wie unsere aktuelle Tagesverfassung ist und welche "To-Dos" wir im Hinterkopf haben. Und schon sind wir wieder bei den Erwachsenen und deren Emotionen angelangt, obwohl ich eigentlich ein Update zu 20 Monaten Kleinkind anvisiert habe.



Was wurde aus...

diesem Tick mit dem Haareziehen? Freudestrahlend kann ich berichten, dass dieser Lernprozess zwar länger als angenommen angedauert hat, und mich so manchen nervenaufreibenden Moment gekostet hat, aber er scheint inzwischen in der Phase "Ausfläufer-des Haareziehens"-Prozesses angelangt zu sein. Ich klopfe auf Holz, und denke, es wird hie und da noch einen Ausreisser geben, aber damit kann ich ganz gut leben.

Wie kam es zu dieser positiven Wende?

Gebetsmühlenartig rezitierte Wiederholungen und präzise angesetzte Reaktionen meinerseits auf die schmerzhaften Aktionen haben den Goldjungen dazu bewogen, meine Haare meist sanft zu zwirbeln und nicht komplett auszureissen. Man möge sich das wie folgt vorstellen:
Bube zieht an den Haaren. Mama schreit ob des Schmerzes auf und sagt: "Nein, das tut mir weh, bitte sanft. (unbedingt am Ball bleiben!) " Wenn möglich eine Alternative anbieten, an der gezogen werden kann.
Jedoch genau das hat sich als schwierigstes Unterfangen herausgestellt. Denn der kleine Mann hatte weder wahrheitgetreu nachempfundene Puppenhaare (wie die Fake-Haare sogar bei erprobtem Einsatz bei Dunkelheit) noch andere ziehenswerte Utensilien wie Stoffbänder, etc. akzeptiert. No way. Auch eine Umsiedelung ins eigene Bett im Bubenzimmer hat geholfen, aber inzwischen haben wir uns darauf geeinigt, dass er zumindest in seinem Zimmer einschläft und zu späterer Stunde zu uns ins Familienbett wandert.



Familienbett oder eigenes Bett?

Beides. Sowohl das Kinderbett als auch unser Elternbett erfüllen ihre Zwecke. Wir haben im Rahmen einer kreativen Umgestaltung des Kinderzimmers ein Bett aufgebaut, in welchem das Zu-Bett-geh-Ritual stattfindet. Dieses gestaltet sich bei Herrn W. und mir etwas unterschiedlich. Herr W. liest beiden Kindern vor, ich hingegen nur dem Goldjungen ein kurzes, und dafür singe ich danach noch ein gute Nacht Lied. Im Laufe des späten Abends wacht er noch etliche Male auf, und irgendwann gesellt er sich dann zu uns ins Elternbett. Alle sind damit zufrieden, und das ist die Hauptsache.




Autos, Autos, wieder Autos

Nichts Neues an der Front Fahrzeuge zu berichten. Je professioneller die Ausführung der Vehikel desto beliebter. Favorit unter allen Fahrzeugen sind die geliebten Modellautos (VW Käfer, VW Busse) von Herrn W in der (leider viel zu leicht zu öffnenden) Vitrine. Eine Beschäftigung, der man sich mit voller Hingabe auch über einen längeren Zeitraum widmen kann. Hauptsache, der Bube erfreut sich des Spiels, und Mama kann sich mal für ein paar Minuten anderen Dingen widmen. Wir erproben gerade neue Spielsachen, die als Alternative zu Autos dienen sollen, aber mehr dazu im kommenden Post.



Wie war das mit der Trotzphase?

Thema Nummer eins. Wenn ich mich so zurückerinnere an diese Phase beim Fräulein, dann ertappe ich mich selbst immer wieder dabei, dass ich Vergleiche anstelle. Fataler Fehler! Und abgesehen davon, man hat keinen Nutzen davon. Wir wissen ja alle, dass jedes Kind anders ist, und das ist auch gut so. Ich handhabe diese Phase wie eh und je, und rufe mir immer wieder ins Gedächtnis, dass diese eine Phase im Grunde ja ein positiver nach Unabhängigkeit strebender Prozess ist, und auch wenn sie unglaublich an den Nerven zehrt, trägt sie zur Selbständigkeit des Kindes bei und stärkt das Selbstvertrauen. In akuten Situationen rede ich nicht, sondern ich handle bzw. bin ich überzeugt davon, dass alleine ein Orts/Situationswechsel ein mögliches wirksames Mittel ist, um auf den Schwall an Emotionen zu reagieren. Von Diskussionen und "Vertuschen-Wollen" kann man getrost absehen. Und im Grunde sind diese Emotionen ja auch positiv, auch wenn sie gesellschaftlich negativ belegt sind, und den Eltern so manche Schweißperle auf die Stirne treiben. Denn wie die Experten wissen: heftige Trotzphase = gute Bindung zwischen Kind und Mutter



Nähe versus Distanz

Kennt ihr das, wenn ihr im Badezimmer steht und die Zähne putzt, und das Kind mit allen Mitteln versucht, euch von dem Badezimmermobiliar wegzudrägnen, um sich zwischen euch und Waschbecken zu positieren? Wenn ja, willkommen im Club! Hier herrscht ein und dasselbe Theater jeden Tag, ja es ist inzwischen sogar zu einem all morgendlichen Ritual mutiert, a la "aufstehen -  zu den Autos hin - Bad - Mama wegdrängen - schreien'. Immer derselbe Ablauf (Ausnahmen bestätigen die Regel). Wir befinden uns quasi mitten im Distanz-Nähe Erproben, und auch mir ist nicht immer klar, was das alles zu bedeuten hat, aber im Nachhinein kommt dann doch desöfteren das Aha-Erlebnis und nach ganz viel Kuscheln ist meist auch alles wieder gut.

Wie ein Tag bei uns so aussieht

Der Goldjunge und ich wachen meist so um halb 7 auf. Das war aber auch schon mal über Wochen hinweg anders, aber inzwischen hat sich der gute alte Rhythmus wieder eingependelt, der auch frühere Schlafenszeiten erlaubt.  Den Vormittag verbringen wir meist zu Hause sofern es keine Erledigungen gibt, und wenn der Bube eine Beschäftigung gefunden hat, widme ich mich hie und da meinen Blogbeiträgen oder bearbeite auch schon mal Fotos nebenbei, oder ich erledige ganz unspektakulär den Haushalt. Um 11 herum ruft der etwas 1-stündige Mittagsschlaf. Wenn das Fräulein aus der Schule kommt essen wir gemeinsam. Nachmittags sind wir entweder im Garten, auf der Terrasse oder auch unterwegs, aber immer im Freien. Denn: so einen Hanggarten in Stand zu halten erfordert jede Menge Arbeit. Die "schwierige Phase" mit Absturzgefahr ist vorüber, und der Goldjunge beherrscht das Stiegensteigen schon wie ein Profi. Eine Erleichterung für uns alle!



Ich wünsche euch ein schönes verlängertes Wochenende!

Eure Tina





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